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Besuch unserer Projekte am 13.Februar 2007

Sabah, Sister Susans langjährige Mitarbeiterin im Gazastreifen wartete bereits mit einem Taxi auf uns und wir fuhren zum ersten Schule, der Amjad nursery school im Norden. Die Schule ist einstöckig und besteht aus fünf Klassenräumen, einer Küche und dem Zimmer der Direktorin. Nachdem wir uns die Schule angeschaut haben, wurde im Direktorinnenzimmer Kaffee serviert.

Die Direktorin hatte eine lange Liste an notwendigen Anschaffungen, was Sabah dann uns auf Englisch übersetzte. Die Schule versorgt zur Zeit 97 Kinder im Vorschulalter. Dadurch, dass die Schule zu einer Nichtregierungsorganisation gehört, die 13 weitere Vorschulen betreibt, bekommen die Lehrerinnen ihr Gehalt von 200 bis 300 NIS (rund 35-55 EUR) im Monat recht regelmäßig. Die Schule werden wir ab Februar in unser Frühstücksprogramm aufnehmen. Dazu müssen aber auch ein Kühlschrank, Besteck und Geschirr gekauft werden, was die Schule sich nicht leisten kann. Vor kurzem endete ein Programm einer anderen Organisation, die den Kindern dreimal in der Woche ein Sandwich mit Käse oder Wurst finanziert hat. Durch eine muslimische Hilfsorganisation hat die Schule inzwischen auch einen Trinkwassertank mit Filter für die Kinder. Theoretisch beträgt die Schulgebühr für jedes Kind 20 NIS (rund 3,60 EUR) im Monat. Die meisten Eltern können sich das aber nicht leisten und schicken ihre Kinder ohne Geld zur Schule.

Gleichzeitig versucht die Organisation, zu der die Schule gehört, in dem Gebiet auch Schulungen für Mütter anzubieten, um ihnen zu erklären, wie sie ihre Kinder auch mit wenig Geld vernünftig ernähren können. Zum Teil verkaufen die Eltern das Gemüse, das sie selbst im Vorgarten anbauen auf dem Markt und kaufen dafür schwarzen Tee und Weißbrot, um ihre Kinder dann mit in schwarzem Tee eingeweichten Weißbrot zu füttern.

Nach den heftigen Kämpfen im November letzten Jahres war die Situation für viele Familien finanziell so dramatisch, dass die Kinder über zwei Wochen nichts anderes zu Essen bekommen haben als Tee und Weißbrot. Die Folgen der Kämpfe konnten wir auch am und im Kindergarten sehen. Am Schulhaus selbst sah man Beschädigungen von Granatsplittern oder Gewehrmunition.

Anschließend fuhren wir weiter, um den El Amal Kindergarten zu besuchen. Dieser nimmt seit einigen Monaten ebenfalls an unserem Frühstücksprogramm teil. Die Direktorin berichtete glücklich, seitdem die Schule das Frühstück anbieten kann, würden die Eltern auch wieder ihre Kinder in die Schule schicken, weil damit wenigstens eine Mahlzeit am Tag sichergestellt werden kann. Sie fragte, ob es uns möglich wäre, den Betrag etwas zu erhöhen, um den Kindern zusätzlich einmal wöchentlich ein warmes Mittagessen anbieten zu können. Im Moment können wir das nicht finanzieren, aber möglicherweise werden in einigen Monaten die Spenden eine solche Erweiterung zulassen. Auch in dieser Schule verdienen die Lehrerinnen theoretisch 200-300 NIS im Monat, da diese Schule sich aber durch die Schulgebühr selbst tragen muss, kann sie manchmal über Monate kein Gehalt auszahlen. Bei 90 Kindern, die auch hier eigentlich 20 NIS bezahlen müssten, geht von den im Idealfall 1.800 NIS (rund 327 EUR) das meiste für die Unterhaltskosten für das Gebäude und laufende Strom- und Wasserrechnungen drauf. Deshalb fragte die Direktorin sofort nach der Möglichkeit, Unterstützung für das Gehalt ihrer Lehrerinnen zu bekommen – denn ohne die müsste die Schule schließen.

Auch hier werden für das Frühstücksprogramm noch Tassen und Teller benötigt. Allerdings hat diese Schule auch einen Antrag bei einer weiteren Hilfsorganisation mit größerem Budget gestellt, die möglicherweise nicht nur den Zaun, sondern auch die notwendige Fertigstellung des Gebäudes bezahlen wird. Diese Schule machte einen nachhaltigen Eindruck auf uns, weil sie in einem baufälligen Gebäude mit rissigen Mauern, abgeblätterter Farbe und nackten Steinböden haust, und es durch den Einsatz der Lehrer und der Kinder trotzdem geschafft hat, eine fast heimelige Atmosphäre für die Kinder zu schaffen, in dem Bilder und Basteleien der Kinder, für die sogar die Verpackungen von den Lebensmitteln aus unserem Frühstücksprogramm verwendet wurden, an die Wände gehängt hat. Darüber hinaus ist für jedes Kind eine einfache Mappe angelegt, in dem die Werke der Kinder aufbewahrt werden und am Ende des Schuljahres den Eltern überreicht werden. Wie alle Schulen an diesem Tag haben wir auch diese Schule ohne Vorankündigung besucht – trotzdem war die Schule sauber und aufgeräumt, so gut es eben geht, wenn man keine ausreichenden Schränke hat.

Die dritte uns letzte Schule an diesem Tag war Al'Mussadar. Diese Schule unterstützen wir bereits seit anderthalb Jahren und planen daher auch, ab Sommer diesen Jahres eine andere Schule zu unterstützen. Zum einen können wir so mehreren Schulen helfen, zum anderen soll unsere Unterstützung nur Hilfe zur Selbsthilfe darstellen und indem zwei Jahre lang von uns das allernotwendigste finanziert wird, können die Schulen sich weiterentwickeln.

Das beste Beispiel ist diese Schule. Inzwischen hat sie sich zu einem Gemeindezentrum entwickelt, in dem Nachmittags Erwachsene Kurse zur richtigen Hygiene, Ernährung und Erziehung ihrer Kinder besuchen können. Dafür benötigt diese Schule allerdings noch einen Anbau, für den es bereits einen Kontenvoranschlag in Höhe von 27.000 US-$ gibt. Wir wollen versuchen, mindestens die Hälfte von diesem Geld zu sammeln und werden dafür auch einen Projektantrag bei einer Stiftung stellen, die sich für die Bildung von Kindern in der Dritten Welt einsetzt. Auf die Frage, ob er glaubt, dass er die andere Hälfte zusammenbringen könnte, antwortete der Direktor der Schule, dass die Schule inzwischen von mehreren Organisationen unterstützt wird und dass es durch den Arbeitseinsatz aus der Gemeinde möglich sein müsste, den Anbau in Angriff zu nehmen, wenn wir eine Hälfte finanzieren können. Das würden wir der Schule auch gerne als Abschiedsgeschenk geben, die sich als zuverlässiger, ehrlicher Partner erwiesen hat.

Insgesamt ist es deprimierend zu sehen, wie sehr sich die Situation der Menschen, die wir in Gaza treffen, immer weiter verschlechtert. Dass viele trotzdem ihr Bestes geben, um wenigstens ihren Kindern eine Zukunft in besseren Verhältnissen zu ermöglichen, gibt Hoffnung. Zahlreiche kleine Organsationen sind entstanden, in denen sich Menschen, oft ohne Gehalt, für eine Verbesserung der Lebensbedingungen ihrer Kinder einsetzen. Oft sehen wir, dass schon die kleinen finanziellen Beiträge, die wir leisten können, einer Schule helfen können, ihre notwendigsten Anschaffungen zu tätigen und dadurch einer ganzen Gemeinde mit Bildung und Essen für die Kinder helfen können.

Sister Susans unermüdlicher Einsatz auch unter widrigen und gefährlichen Umständen trägt Früchte. Sie ist ein Beispiel dafür, wie eine einzelne Person für sehr viele Menschen etwas bewirken kann – mit Demut, persönlichem Einsatz und unendlichem Durchhaltevermögen.

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