Bei unserem dritten Besuch waren wir zu fünft: Oliver und ich, Sister Susan, sowie jeweils ein amerikanischer und ein italienischer Priester.
Morgens um kurz vor acht erreichten wir den Checkpoint in Eretz und standen erstmal vor verschlossenen Toren. Der uns bekannte Weg war nicht mehr in Betrieb, dafür hatte das neue riesige Terminal seinen Dienst aufgenommen. Dieses neue Terminal ähnelt einer Flughafenhalle mit ca. 12 Schaltern zur Ein- und Ausreise.
Nachdem alle Einreiseformalitäten erledigt waren, wurden wir von unserem Fahrer auf der palästinensischen Seite in Empfang genommen. Unsere erste Station war eine Familie, die an dem Lebensmittelprogramm teilnimmt. Diese Familie lebt auf einem Friedhof in Gaza-Stadt (Bild). Als wir in der letzten Woche von der Familie gehört hatten, bin ich davon ausgegangen, dass die Familie dort lediglich kurzfristig wohnen würde, evtl. weil ihr Haus bei Kämpfen zerstört worden ist. Tatsache ist, dass die Familie seit 15 Jahren dort lebt und ein Haus zwischen den Gräbern ausgebaut hat (Bild).
Die Familie besteht aus einer alten Witwe, zwei ihrer Söhne und deren Frauen und Kindern (Bild). Insgesamt leben dort 17 Personen in vier Zimmern.
Die Wäscheleinen sind zwischen den Gräbern gespannt, die Kinder toben barfüßig über die Grabsteine (Bild), der Brotofen steht im Innenhof des Gebäudes direkt neben einem Grab (Bild). Nur einer der Söhne hat eine Arbeit und verdient 700 Schekel (127 Euro), was das einzige Einkommen der Familie darstellt. Da dies bei weitem nicht reicht, um die Familie zu ernähren, erhält sie seit Februar jeden Monat Lebensmittel durch unser Notprogramm (die Bilder können Sie weiter unten aufrufen).
Nach diesem sehr bedrückendem Besuch teilte sich unsere Gruppe und während Sister Susan und die Priester alte Bekannte von früheren Projekten besuchten, machten Oli und ich uns auf den Weg ins Shifa-Hospital, dem größten Krankenhaus im Gaza-Streifen. Dort saßen wir zunächst im Büro des Direktors der Abteilung für Public Relations.
Später war dann aus Sicherheitsgründen nur eine sehr kurze Tour durchs Krankenhaus möglich, erst kamen wir in die Geburtsstation auf der am selben Tag eine Frau Fünflinge entbunden hatte, die nun von allen bestaunt wurden. Anschließend wurden wir noch über die Neonatologie geführt und konnten uns Frühchen im Brutkasten anschauen. Der Arzt berichtet uns dann, dass 60% aller Geburten im Shifa-Hospital Frühgeburten seien. Er erklärte dies zum einem mit dem jungen Alter der Mütter und mit dem Stress den die Lebenssituation in Gaza mit sich bringt (um die 60% zu relativieren ist jedoch anzumerken, dass die meisten normalen Geburten zu Hause stattfinden und nur schwierige oder eben zu frühe Geburten im Krankenhaus stattfinden).
Nach diesem Ausflug trafen wir uns mit den Anderen bei den Missionarinnen der Nächstenliebe wieder. Während die Priester und die Schwestern gemeinsam einen Gottesdienst feierten, besuchten Oli und ich die behinderten Kinder, für die al omri vor einigen Jahren die physiotherapeutische Ausrüstung finanziert hatte.
Anschließend machten wir uns auf den Weg zurück nach Israel.
Dies war zunächst unser letzter Besuch in Gaza. Eine Auswahl der Bilder sind ebenfalls hier im Blog zu finden. Wer mehr erfahren oder sehen möchte, kann sich jederzeit per Mail an uns wenden.