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Besuch 31. August - 1. September 2008

Einige Tage vor unserem Besuch hatten wir bereits die notwendigen Materialien für unsere Schulen gekauft. Drei unserer vier Schulen sind nach den Plünderungen der letzten Wochen noch geschlossen, hoffen aber, bald wieder öffnen zu können. Drei Koffer und zwei Rucksäcke schleppten wir über den Grenzübergang betend, alles sicher über die Grenze bringen zu können. Wir passierten die Grenze diesmal aber ohne Probleme, unser Gepäck wurde noch nicht einmal geöffnet. Als wir schließlich die Sandpiste erreichten, die den palästinensischen Teil der Grenze darstellt, halfen uns mehrere Männer, das Gepäck zu tragen.

Unser palästinensischer Fahrer wartete wie immer hinter der Grenze auf uns und fuhr uns diesmal zunächst in die katholische Gemeinde, wo wir an der Heiligen Messe teilnahmen. Unser erster Schulbesuch führte uns anschließend in die Awatif Schule in Mittelgaza. Kurz zuvor war dort die Eingangstüre mit einer Bombe aufgesprengt worden. Fast die gesamte Einrichtung und ein großer Teil der Materialien sind geplündert worden, erst vor Kurzem konnte die Schule ihren Betrieb wieder aufnehmen. Die Schule und das angeschlossene Frauenbildungszentrum sind politisch unaubhängig. Selbst die Trinkwassertanks für die Kinder wurden zerstört. Im Moment sind bereits 37 Kinder wieder angemeldet, weitere 140 Anmeldungen für das laufende Schuljahr werden für die nächsten Tage erwartet. Der Hauptbedarf liegt zur Zeit bei Stühlen für Lehrer und Kinder, die zur Zeit im Gazastreifen schwer erhältlich sind. Der für Güter reservierte Grenzübergang nach Israel ist zu Zeit lediglich für Lebensmittellieferungen durchgängig. So beginnt das neue Schuljahr in dieser Schule mit Unterricht auf dem Fußboden.

Auf unserer Weiterfahrt sahen wir zahlreiche Brücken, die gerade repariert wurden. Die Straßen selbst jedoch sind in einem verheerenden Zustand. Nur wenige Fahrzeuge waren überhaupt unterwegs, nur wenige können sich noch den Sprit leisten. Esel sind wieder das Haupttransportmittel geworden, Hunderte waren zu sehen. Wir fuhren an mehreren Stützpunkten des UN-Hilfswerkes vorbei, die Lebensmittel verteilten.

Wir erreichten einen Laden, von wo aus wir unsere Lebensmittelverteilung organisieren. Die beteiligten Familien erhalten Gutscheine, mit denen sie sich das am dringendsten Benötigte im Laden selbst eintauschen können. Wir sprachen mit dem Vater einer zehnköpfigen Familie, der überglücklich war, dass die Lebensmittel noch rechtzeitig vor dem Fastenmonat Ramadan angekommen seien.

Eine der Familien besuchten wir zu Hause. Mona, die Mutter, verlor ihren noch jungen Mann vor sechs Monaten durch einen Herzinfarkt. Mona ist nun alleine Verantwortlich für zehn Kinder im Alter von 4 bis 21 Jahren. Seit vor sechs Jahren ihr Haus im Rahmen von Kampfhandlungen der israelischen Armee zerstört wurde, lebt die Familie in einem Zelt. Für einen Wiederaufbau hat das Geld nie gereicht. Die älteste Tochter sucht nach ihrem Hochschulabschluss gerade eine Beschäftigung. Bei der aktuellen Arbeitslosigkeit von 87% ein fast aussichtsloses Unterfangen. Alle in der Familie sind deutlich vom Hunger gezeichnet. Ihnen gehört zwar ein kleines Grundstück, aber um selbst Gemüse anzupflanzen, fehlt ihnen das Geld und – vor allem – Wasser.

Wir setzten unsere Fahrt fort und kamen zur Mussadar School. Das Dorf ist eine Hochburg der gemäßigten Fatah, deshalb hat diese Schule bei den Plünderungen der letzten Zeit den größten Schaden erlitten. Alle Türen sind zerstört oder geraubt, die Wasserversorgung unbenutzbar demoliert, die Wände mit wüsten Parolen beschmiert. Alle elektrischen Geräte, darunter der von uns finanzierte Fotokopierer, sind geraubt worden. Auch hier wird das Schuljahr auf dem Fußboden beginnen müssen. Die Lehrer arbeiten ehrenamtlich mit Hochdruck daran, die gröbsten Schäden zu beseitigen, so dass Anfang Oktober hier mit einer Wiedereröffnung gerechnet wird. Am dringendsten werden auch hier die Stühle gebraucht, dazu Stifte, Papier, Hefte und Küchenutensilien. Wir haben 800 NIS, etwa 150 EUR für die notwendigsten Anschaffungen hinterlassen. Eigentlich hatten wir die finanzielle Unterstützung dieser Schule beendet, weil sie zwischenzeitlich in der Lage war, sich selbst zu helfen. Dieser Erfolg wurde durch die Ereignisse der letzten Monate wieder zunichte gemacht.

Die Nacht verbrachten wir bei den Missionarinnen der Nächstenliebe. Dort erfuhren wir, dass zahlreiche Ärzte aufgrund der politischen Entwicklung in den Ausstand getreten sind – viele von ihnen wurden verhaftet und gefoltert.

Am nächsten Tage eine weitere Rundfahrt durch den Gazastreifen. Vorbei an faulenden, stinkenden Wasserbecken, die einmal Kläranlagen gewesen waren. Das giftige Wasser sickert aufgrund mangelhafter Konstruktion in das umgebende Gelände und verseucht die umliegenden Trinkwasserbrunnen.

Schließlich verließen wir den Gazastreifen wieder voller Eindrücke von Zerstörung, Arbeitslosigkeit, trauriger Augen und dünner Kinder. Im Fastenmonat Ramadan, der eben begonnen hatte, wird tagsüber gefastet und nach Sonnenuntergang mit festlichen Familienessen gefeiert. Für die Menschen im Gazastreifen wird dieser Fastenmonat wenig Unterschied zwischen Tag und Nacht bringen. Seit 13 Jahren kenne ich den Gazastreifen, in einem solchen Zustand habe ich ihn noch nie erlebt.

Sister Susan Sheehan, DC

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