Sister Susans Besuch in Gaza vom 5. März 2009
S. nahm uns in Gaza in Empfang und brachte uns zunächst zur „El Arba“ Nursery School. Dort trafen wir die Direktorin Nahala und Fawysyehs Tochter Eman. Da andere Schulen in der Umgebung zerstört oder von der Hamas geplündert worden sind, musste diese Schule 172 Schüler in ihre vier Klassen aufnehmen, die nun völlig überfüllt sind. In jeder Klasse werden die Kinder nun aufgeteilt in eine Gruppe, die an einem langen Tisch sitzt und lernt und eine zweite, die auf dem Boden sitzt und malt oder spielt. Die Schule selbst hat den Gazakrieg unbeschadet überstanden, jedoch sind die meisten Spielgeräte außerhalb der Schule beschädigt oder zerstört.

Als nächstes besuchten wir die „El Amjad“ Nursery School, welche ebenfalls in der Gegend um Beit Hanoun im nördlichen Gazastreifen liegt. Auch diese Schule hat zusätzliche Schüler aufgenommen. Wir sahen 160 Schüler in den überfüllten Klassenzimmern. Zwei Lehrer unterrichteten in jeder Klasse, die einzelnen Klassen waren in drei Gruppen aufgeteilt.
S. bat beide Schulen um eine Liste der am dringendsten benötigten Dinge. Sie sammelt die notwendigen Anschaffungen und versucht sie dann in größeren Mengen günstiger zu erstehen.
Anschließend besuchten wir eine arme Familie. Auf dem Weg holten wir J. ab. Er ist einer von S.s ehrenamtlichen Mitarbeitern, der die bedürftigsten Familien kennt. Er brachte uns zu der Behausung einer sechsköpfigen Familie. Nachdem der Familienvater im Krieg zusehen musste, wie sein Onkel getötet wurde, hatte er einen Nervenzusammenbruch erlitten und muss nun in der Psychiatrie behandelt werden. Die Krankenhauskosten und teure Medikamente sind eine zusätzliche Belastung für die Familie. Sie lebt in einem aus Holz und Plastikfolie gebauten Unterstand.
Wir trafen die Mutter und eine ihrer Töchter, die anderen Kinder waren in der Schule. Eine Nachbarin hilft der Familie, wo sie kann, dabei wurde ihrem eigenen Mann im Krieg in beide Beine geschossen, so dass sie in einer Operation in der Türkei amputiert werden mussten. Anschließend musste er zur weiteren Behandlung in der Türkei bleiben. So versorgt sie alleine einen 14jährigen Sohn, der eine Operation an den Augen benötigt, die sich die Familie nicht leisten kann.
S. führte uns anschließend in eine Einrichtung, die sich um kriegstraumatisiserte Kinder kümmert. Die Einrichtung besteht aus einem Zeltlager mit großen, bunten Zelten. Ein Sandplatz in der Mitte war für Sportspiele hergerichtet. 30 Mitarbeiter kümmern sich um 350 bis 600 8- bis 11jährige Kinder, die in zwei Gruppen täglich kommen. Das Programm ähnelt den Sommerprogrammen, die wir unterstützen: Spiele, Theatergruppen, Sport, psychologische Gruppen. Einzelne Kinder, die intensiverer psychologischer Betreuung bedürfen, werden in ein spezialisiertes Zentrum in Gaza-Stadt überwiesen.
Während des Mittagessens besprachen wir anstehende Projekte: Den uns bekannten Familien, die im Gazakrieg ihre Unterkunft verloren haben, könnten wir einfache Häuschen mit einem Wohnraum und einem Waschraum bauen lassen. Die Kosten betragen etwa 3.000 $ pro Haus.
Nachmittags trafen wir einen Vertreter von ANERA, mit der wir seit Jahren bei der Versorgung der Kinder mit Nahrungsmitteln zusammenarbeiten. ANERA verteilt Milch und eiweißangereicherte Kekse an 186 Nursery Schools, unter anderem an jene, mit denen wir zusammenarbeiten. Die Organisation hat nach dem Krieg ebenfalls ein Programm für traumatisierte Kinder im Schulkindalter begonnen. In Kürze soll ein weiteres für Vorschulkinder begonnen werden.
Zeitig brachen wir dieses Mal zur Grenze auf, um noch sicher nach Israel zurückkehren zu können.
Sister Susan Sheehan, DC