Am 18. Mai hatte ich die Möglichkeit, mit Sister Susan und Father Don nach Gaza zu fahren und die fünf Schulen zu besuchen, die wir unterstützen.
Es war für mich das erste Mal, den Gazastreifen nach dem Krieg Anfang des Jahres zu besuchen. Das Ausmaß der Zerstörungen und das damit verbundene Leid konnte ich mir vorher nicht vorstellen und auch jetzt fällt es mir schwer, es ganz zu begreifen.
Ganze Viertel sind dem Erdboden gleich, in anderen ist jedes Wohnhaus mit zahllosen Einschüssen übersät. Über den unzähligen Trümmerhaufen, die früher Wohnhäuser waren, liegt an vielen Orten ein atemberaubender Gestank nach Verwesung. Die schiere Menge an Trümmern führt dazu, dass praktisch jede größere Straße in ihrer gesamten Länge beiderseits von hüfthohen Trümmerwällen gesäumt wird.
Unsere Schulen haben glücklicherweise im Krieg selbst nur wenige Zerstörungen erlitten, der meiste Schaden wurde bereits deutlich vor dem Krieg durch Plünderungen der im Gazastreifen regierenden radikalislamischen Hamas verursacht.
Die erste Station war eine Schule im Norden des Gazastreifens.
Aufgrund des Platzmangels werden hier im Moment drei Klassen in einem Raum unterrichtet. Durch die ca. 50 Kinder in den kleinen Klassenräumen, die parallel von drei Lehrern unterrichtet werden, entsteht ein unglaublicher Lärm, obwohl die Kinder sehr diszipliniert sind und ruhig auf dem Boden sitzen (viele der Tische und Bänke hat die Hamas im Herbst 2008 geplündert). Die Eingangstür und die Fenster sind zerstört, ab Herbst benötigt die Schule dringend wieder Hefte, Stifte und Lehrmaterial sowie einen Kühlschrank. Die Kosten hierfür belaufen sich auf rund 1.000 EUR.
Als nächstes fuhren wir, ebenfalls im Norden, zu einem von uns unterstützten Kindergarten.
Hier ist im Krieg eine Granate in ein Klassenzimmer eingeschlagen. Natürlich waren während der Kampfhandlungen alle Kinder zu Hause, so dass dabei glücklicherweise niemand verletzt wurde. Aber der Raum ist seither unbenutzbar. Die Enge im Rest des Kindergartens ist umso spürbarer. Dieser Kindergarten benötigt dringend Kochgas und Spielgeräte für die Kinder, Kosten hierfür etwa 500 EUR.
20 km weiter südlich, in Mittelgaza, liegt die nächste Schule. Hier haben wir bereits 2008 Stühle und Tische finanziert. Als wir kamen, aßen die Kinder ihr Frühstück, welches die Schule durch unsere Spenden verteilen kann. Wie auch an den anderen Schulen erhalten hier die Kinder täglich Brot, Eier, Obst und Milch.
Hier werden dringend Sonnenschirme für die Kinder benötigt, um den bisher schattenlosen Außenbereich für die Kinder auch im Sommer nutzen zu können, wenn die Temperaturen über 40°C steigen. Daneben fehlen Waschmöglichkeiten sowie ein Kühlschrank. Insgesamt beläuft sich der Bedarf auf etwa 1.600 EUR.
In einem Flüchtlingslager befindet sich die nächste Schule. Sie hat unter den Plünderungen am meisten gelitten, kaum ein Tisch oder Stuhl befindet sich noch in den Räumen, deren Wände notdürftig überstrichen wurden, nachdem die Hamas-Plünderer hasserfüllte Parolen und Schmierereien an den Wänden hinterlassen hatten. Entsprechend werden neue Möbel benötigt, ebenso Kochgas und Schreibwaren. Dies wird insgesamt rund 1.000 EUR kosten.
Zuletzt besuchten wir die Schule, mit der wir inzwischen am längsten zusammen arbeiten. Sie hat sich in den Jahren, in denen Sister Susan die Schule besucht, aufgrund des großen persönlichen Engagements des Schulleiters und der Lehrer zu einem Gemeindezentrum entwickelt. Hier erhalten bedürftige Familien Rat und Lebensmittel. Auch hier wurde im Sommer 2008 geplündert, am dringendsten benötigt werden deshalb Tische und Bänke, Regale, Schreibwaren und Spielgeräte für insgesamt rund 900 EUR.
So werden an allen Schulen zusammen für einmalige Anschaffung insgesamt etwa 4.000 EUR benötigt.
Darüber hinaus wollen wir an allen Schulen am Beginn des neuen Schuljahres im September weiter das Frühstücksprogramm finanzieren. Die Lebensmittelpreise sind in den letzten Monaten förmlich explodiert. Bereits vor dem Krieg und seither fast durchgehend, ist die Einfuhr von Waren in den Gazastreifen über die Grenzübergänge von Israel blockiert.
Statt dessen müssen nun sämtliche Güter, die die rund 1,6 Mio. Menschen im Gazastreifen benötigen, durch Tunnel von Ägypten geschmuggelt werden. Von Obst, über Brot, Treibstoff, Toilettenpapier bis zu Holz, Ersatzteilen und ganzen Kühen wird alles aufwändig und gefährlich durch die Schmuggeltunnel zwischen Ägypten und dem im Süden Gazas gelegenen Rafah geschmuggelt. Entsprechend sind inzwischen für viele Familien schon die nötigsten Lebensmittel unbezahlbar geworden und auch unsere Projektkosten haben sich dadurch deutlich erhöht. Inzwischen benötigen wir 1.000 EUR pro Monat für das Frühstücksprojekt an allen Schulen. Für diesen Preis können also knapp 500 Kinder für einen Monat wenigstens eine vernünftige Mahlzeit am Tag erhalten. Um also das Frühstücksprogramm finanzieren zu können benötigen wir bis September noch einmal 4.000 EUR.
Ihre
Oliver und Maren Berthold